Klinische Entscheidungsunterstützung (englisch: Clinical Decision Support) bezeichnet Systeme, die medizinische Informationen aufbereiten und dem Behandler Hinweise geben – etwa auf ein erhöhtes Risiko für eine Begleiterkrankung oder auf die Leitlinienlage zu einer Fragestellung. Sie stellen keine Diagnose und wählen keine Therapie. Die Entscheidung trifft weiterhin der Arzt.
Was diese Systeme im Praxisalltag leisten
Der Nutzen entsteht nicht durch mehr Information, sondern durch weniger Suchen. Zwei Richtungen sind zu unterscheiden:
- Screening auf Basis der eigenen Dokumentation: Das System liest die strukturierten Daten aus der Praxissoftware – Diagnosen, Laborwerte, Messdaten – und macht auffällige Konstellationen sichtbar, ohne dass jemand danach gesucht hat.
- Medizinische Recherche im Behandlungskontext: Das System beantwortet eine konkrete fachliche Frage aus geprüften Quellen und weist die Quelle zu jeder Aussage aus, sodass sie nachvollziehbar bleibt.
Beides ist nur dann eine Entlastung, wenn es im gewohnten Arbeitsablauf erscheint. Ein zweites Programm, das parallel offen gehalten und separat gefüttert werden muss, wird im Praxisbetrieb nach kurzer Zeit nicht mehr benutzt – das sehen wir regelmäßig.
Die Anbindung: medatixx-HealthHub Clinical Intelligence
Für die Praxisprogramme der medatixx gibt es dafür seit September 2026 einen definierten Weg: den „medatixx-HealthHub Clinical Intelligence“. Das ist die Schnittstelle, über die Entscheidungsunterstützungssysteme und medizinische Recherche-Tools in die Praxisprogramme eingebunden werden. Die Lösungen laufen damit integriert im Praxisworkflow, ohne Medienbruch, und erhalten den klinischen Kontext automatisch aus der Praxissoftware. Über dieselbe Schnittstelle sollen künftig weitere Anbieter hinzukommen.
- ab Oktober 2026medatixx und xentro
- Q4 2026x.isynet sowie die Ambulanz-/MVZ-Lösung x.vianova
Die beiden Anbieter
Praedigo
System der HuCa GmbH, CE-zertifiziertes Medizinprodukt der Klasse IIa (MDR EU 2017/745). Es wertet die im Praxisverwaltungssystem vorliegenden strukturierten Daten aus und erkennt Risikomuster, bevor sich eine Erkrankung manifestiert.
- Fokus: Diabetes-Komorbiditäten – chronische Nierenerkrankung, koronare Herzkrankheit, Hypertonie, Polyneuropathie
- Darstellung als Ampel- und Scoring-Modell direkt im Arbeitsablauf
- Leitlinienorientierte Hinweise aus Labor- und Blutdruckwerten
Prof. Valmed
Auf einem großen Sprachmodell basierendes System des Anbieters Prof. Valmed, zertifiziert als Medizinprodukt der Risikoklasse IIb für die Europäische Union. Es beantwortet fachliche Fragen zu Diagnose und Therapie in natürlicher Sprache.
- Antworten ausschließlich aus einer kuratierten medizinischen Bibliothek – kein offenes Webwissen
- Quellenangabe zu jeder Aussage, damit Empfehlungen nachvollziehbar bleiben
- Grundlage: Leitlinien, Fachpublikationen, Reviews und Zulassungsdokumente
Die Partnerschaft zwischen medatixx und Prof. Valmed wurde im November 2025 bekannt gegeben, die Kooperation mit Praedigo im September 2026 – beide Lösungen werden über dieselbe Schnittstelle angebunden. Zur Praedigo-Partnerschaft finden Sie die Pressemitteilung in unserem News-Beitrag.
Was vor der Einführung zu klären ist
Sobald medizinische Daten ein System verlassen oder von einem Dienstleister verarbeitet werden, gehört das geregelt: Auftragsverarbeitungsvertrag, Festlegung der verarbeiteten Datenarten, Information der Patienten und eine Verständigung im Team, wer die Hinweise sieht und wie damit umgegangen wird. Ebenso gehört dazu die Frage, ob ein Screening zu Ihrem Patientenklientel passt – ein Fach ohne relevante Diabetes-Population profitiert von einem Diabetes-Screening nicht.
Unsere Rolle dabei
- EinordnenWir prüfen mit Ihnen, ob eine Lösung zu Fach, Praxisgröße und Patientenklientel passt – und sagen ab, wenn nicht.
- EinrichtenFreischaltung in Ihrem Praxisprogramm, Anbindung über die Schnittstelle, Einbau in den bestehenden Ablauf.
- AbsichernUnterlagen für den Datenschutz, Abstimmung der Verarbeitung, Dokumentation für Ihre Verfahrensübersicht.
- BegleitenEinweisung der Mitarbeitenden und Support durch eigene Leute, die Ihre Software kennen.
Den Hintergrund zur Partnerschaft und die Pressemitteilung im Original finden Sie in unserem Beitrag „KI-Entscheidungsunterstützung kommt in die Praxisprogramme“. Die übrigen Bausteine rund um Prozesse in der Praxis haben wir unter Digitale Prozesse zusammengestellt.
Lohnt sich das für Ihre Praxis? Wir schauen es uns gemeinsam an.
